SOVP Sovereign Validation Protocol
Das Sovereign Validation Protocol ist ein deterministisches, maschinenlesbares Prüfprotokoll für technische Infrastruktur-Nachweise. Es ist als Internet-Draft veröffentlicht (draft-litzki-sovp-04, kein IETF-Standard) und als US-Provisional-Patent angemeldet (Patent pending, Nr. 64/005,737).
SOVP bewertet 180+ Parameter in 20 Clustern. CERTavia wendet davon eine Teilmenge von 80+ Parametern in 6 Clustern an und erzeugt einen kryptografisch signierten, DNS-verankerten Nachweis — den Sovereign Vault. Das Ergebnis ist CERTIFIED, FAILED oder — wenn der Scan die Domain nicht ausreichend erreichen konnte — INCOMPLETE (siehe CERTIFIED / FAILED / INCOMPLETE).
Relevant für: EU AI Act Art. 50 (Transparenzpflichten), DORA Art. 28 (Drittanbieter-Risiko), NIS2 (Cybersicherheitsanforderungen).
Technische Details zum SOVP →
CES Compliance Evidence Score
Der Compliance Evidence Score ist der numerische Gesamtwert eines SOVP-Scans auf einer Skala von 0 bis 100. Er ergibt sich aus der gewichteten Aggregation aller 6 Cluster-Scores.
Ein System gilt als CERTIFIED, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- CES-Gesamtwert ≥ 75
- Cluster-F-Score ≥ 40 (Mindestanforderung AI Governance; für Cluster A–E gibt es keine Mindestwerte)
Wird eine der beiden Bedingungen nicht erfüllt, lautet das Ergebnis FAILED — unabhängig vom Gesamtscore. Diese Gate-Logik setzt voraus, dass der Scan die Domain ausreichend erreichen konnte; war das nicht der Fall, lautet das Ergebnis unabhängig vom CES INCOMPLETE (siehe CERTIFIED / FAILED / INCOMPLETE).
Cluster F AI Governance Hard Gate
Cluster F ist einer der 6 SOVP-Prüfcluster und bewertet maschinenlesbare KI-Governance-Deklarationen der geprüften Infrastruktur. Er ist der einzige Cluster mit einer eigenständigen Mindestpunktzahl (≥ 40), die für CERTIFIED zwingend erforderlich ist.
Kern ist /.well-known/ai-disclosure.json mit sechs Prüfungen: Systemoffenlegung (Bezug Art. 50 Abs. 2), menschliche Aufsicht (Art. 14), Annex-III-Einordnung (Art. 6), Daten-Governance (Art. 10/13), technische Dokumentation (Art. 11/13) und Incident-Reporting (Art. 73). Ohne diese Datei ist Cluster F rechnerisch 0 und CERTIFIED ausgeschlossen. Bonuspunkte gibt es getrennt für KI-Abschnitt in der Datenschutzerklärung, KI-Bot-Gruppen in robots.txt, Opt-out-Hinweis, AI-Policy-Seite, Deepfake-Disclaimer und KI-Kontaktstelle. Jedes Signal wird einzeln geprüft; Widersprüche zwischen ihnen erkennt der Scan nicht.
Die Artikelbezüge sind thematisch, kein Erfüllungsnachweis: Der Scan sieht, was eine Domain öffentlich deklariert, nicht ob die Pflichten im Produkt erfüllt sind. Art. 50 Abs. 3 ist nicht Gegenstand des Scans; die absatzgenaue Zuordnung steht unten.
Befund aus den Juni-Messungen des CERTavia-Benchmarks: In allen zehn Branchenlisten liegt Cluster F im Median bei 0. Zwischen 52 % (ECOM100-DE) und 90 % (BaFin50) der Domains zeigen kein einziges AI-Governance-Signal (Hinweis zur Messung).
CERTIFIED / FAILED / INCOMPLETE
Das Ergebnis eines SOVP- oder CERTavia-Scans kennt drei Werte, keine weiteren Zwischenstufen.
CERTIFIED bedeutet: CES ≥ 75 und Cluster-F-Score ≥ 40; für Cluster A–E gibt es keine Mindestwerte. Das Urteil ist beim Basic-Nachweis 90 Tage gültig, bei Pro und den Abo-Tarifen 365 Tage. Der Nachweis kann als Anlage in Audit-Dokumentation zu EU AI Act, DORA und NIS2 dienen.
FAILED bedeutet: Der Scan wurde vollständig durchgeführt, mindestens ein Schwellwert wurde aber nicht erreicht (CES < 75 oder Cluster-F-Score < 40). Der detaillierte Report zeigt, welche Cluster betroffen sind und welche Maßnahmen zur Verbesserung führen.
INCOMPLETE bedeutet: Der Scan konnte die Domain während der Prüfung nicht ausreichend erreichen — meist eine Firewall- oder Bot-Schutz-Blockade — und liefert deshalb kein belastbares Ergebnis. Das ist keine Aussage über die Compliance der Domain, sondern über ihre Erreichbarkeit zum Scanzeitpunkt. Es wird bewusst kein CES-Score ausgewiesen; ein erneuter Scan wird empfohlen. Eingeführt am 01.08.2026 — Scans vor diesem Datum kennen nur CERTIFIED/FAILED und wurden nicht rückwirkend umklassifiziert.
Wichtig: CERTIFIED ist kein behördlich anerkanntes Zertifikat, sondern ein technischer Infrastruktur-Nachweis. Weitere Informationen unter Kein Zertifikat — was ist der Unterschied?
Sovereign Vault
Der Sovereign Vault ist der persistente, kryptografisch gesicherte Nachweis-Speicher für ein SOVP-Scan-Ergebnis. Jeder Kauf eines Full Scans erzeugt einen eindeutigen Vault-Eintrag mit einer stabilen URL.
Signatur: Jede Attestierung wird mit Ed25519 über RFC-8785-kanonisiertes JSON signiert. Der öffentliche Schlüssel steht als DNS-TXT-Record unter _sovp.certavia.org; jede Attestierung verweist darauf (public_key_ref: dns:txt:_sovp.certavia.org). In der geprüften Domain wird nichts hinterlegt. Nachträgliche Änderungen machen die Signatur ungültig.
Gültigkeit und Verfügbarkeit: Basic — Nachweis 90 Tage gültig, Vault-Eintrag läuft nach 90 Tagen ab. Pro, Bulk, Solo, Annual Starter, Annual Subscription und Enterprise — Urteil 365 Tage gültig, Vault-Eintrag dauerhaft abrufbar.
Kundenportal
Bei Annual Starter, Annual Subscription und Enterprise wird mit Vertragsabschluss automatisch Zugang zum Kundenportal freigeschaltet. Ein separates Konto anlegen ist nicht nötig: Auf der Portal-Login-Seite genügt die Kauf-E-Mail-Adresse, ein Login-Link wird per E-Mail zugestellt (kein Passwort erforderlich).
Basic-, Pro- und Bulk-Käufe sind Einmalkäufe ohne automatischen Portal-Zugang — der Report wird direkt per E-Mail über den Scan-Zugangscode (Token-Link, siehe Support) ausgeliefert, der ausschließlich dem einmaligen Auslösen eines Scans dient. Kundenportal-Zugang ist für diese Pakete auf Anfrage über den Support möglich.
Im Portal verwalten Sie Ihre gescannten Domains, rufen frühere Reports ab und sehen den jeweiligen Sovereign-Vault-Status.
CAD Conformity Assessment Dossier
Das Conformity Assessment Dossier ist das technische Audit-Dossier, das Anbieter von Hochrisiko-KI-Systemen für die Konformitätsbewertung nach EU AI Act Art. 43 führen müssen (technische Dokumentation nach Art. 11 und Anhang IV). Es dokumentiert, wie das System die Anforderungen der Art. 8–15 erfüllt.
Art. 50 ist nicht Teil der Konformitätsbewertung. Ein CERTavia Full Scan Pro kann als Anlage die öffentlich erreichbare Web-Infrastruktur dokumentieren; der Vault-Eintrag bleibt dauerhaft abrufbar und verifizierbar.
CAD-Mapping: Welche Cluster welchen Artikeln entsprechen →
Annex III EU AI Act
Anhang III des EU AI Act listet die Kategorien von Hochrisiko-KI-Systemen nach Sektor und Anwendungsfall. Systeme, die unter Annex III fallen, unterliegen den verschärften Anforderungen der Art. 8–15, darunter Robustheitsanforderungen, Transparenzpflichten und Cybersicherheitsmaßnahmen.
Betroffene Sektoren umfassen unter anderem: kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, grundlegende Dienstleistungen (Kredit, Versicherung), Strafverfolgung, Biometrie und Grenzkontrolle.
Ob Ihr System unter Annex III fällt, können Sie mit dem kostenlosen Schnelltest prüfen: Zum Annex-III-Schnelltest →
Art. 50 EU AI Act Transparenzpflichten je Absatz
Artikel 50 bündelt vier separate Transparenzpflichten. Sie treffen je nach Absatz entweder Anbieter (wer ein KI-System entwickelt oder unter eigener Marke anbietet, auch White-Label) oder Betreiber (wer ein fremdes KI-System einsetzt) — nie automatisch beide zugleich:
- Abs. 1 — Chatbot-Kennzeichnung (Anbieter): Nutzer müssen erkennen, dass sie mit einem KI-System interagieren, es sei denn das ist aus dem Kontext offensichtlich.
- Abs. 2 — Maschinenlesbare Kennzeichnung synthetischer Inhalte (Anbieter): Ausgaben von Systemen, die Bild-, Audio-, Video- oder Textinhalte erzeugen, müssen maschinenlesbar als KI-generiert markiert sein.
- Abs. 3 — Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung (Betreiber): Betroffene Personen müssen über den Einsatz solcher Systeme informiert werden. Betrifft keine Deepfakes.
- Abs. 4 — Deepfakes und KI-generierter Text zu Themen von öffentlichem Interesse (Betreiber): Beide Fälle stehen im selben Absatz. Offenlegungspflicht entfällt bei menschlich-redaktionell verantwortetem Text.
Häufigster Fehler: Deepfakes werden fälschlich Abs. 3 zugeordnet (das ist Emotionserkennung/biometrische Kategorisierung) statt Abs. 4, oder Abs. 4 wird als "Anbieter und Betreiber" statt korrekt als reine Betreiberpflicht beschrieben. Diese Zuordnung ist die kanonische Quelle für certavia.org und die sovp-validator-Mailer-Vorlagen — Korrekturen hier einpflegen, nicht an den einzelnen Verwendungsstellen.
QUAIDAL
QUAIDAL steht für Quality criteria for AI Data Lifecycle — ein Qualitätsrahmen des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) für KI-Trainingsdaten.
Im Kontext des EU AI Act ist QUAIDAL relevant für Betreiber, die die Qualität ihrer Trainingsdaten als Teil der Konformitätsbewertung dokumentieren müssen. CERTavia berücksichtigt QUAIDAL-relevante Parameter in der SOVP-Prüfung.
Hochrisiko-KI-System
Ein KI-System gilt nach EU AI Act als Hochrisiko-System, wenn es entweder in Annex III gelistet ist oder als Sicherheitskomponente in einem Produkt eingebettet ist, das unter bestehende EU-Produktsicherheitsrichtlinien fällt (z. B. Medizinprodukte, Fahrzeuge).
Anbieter von Hochrisiko-KI-Systemen sind zur Konformitätsbewertung verpflichtet (Art. 16, Art. 43); Betreiber haben eigene Pflichten nach Art. 26. Die Annex-III-Pflichten gelten ab dem 2. Dezember 2027. Davon unabhängig gelten seit dem 2. August 2026 die Transparenzpflichten nach Art. 50 (siehe oben), die nicht Teil der Konformitätsbewertung sind. CERTavia liefert einen signierten Infrastruktur-Nachweis, der als Anlage zum Conformity Assessment Dossier dienen kann.
Technischer Nachweis vs. offizielle Zertifizierung
CERTavia stellt kein behördlich anerkanntes Zertifikat aus. Das Ergebnis eines SOVP-Scans ist ein technischer Infrastruktur-Nachweis — vergleichbar mit einem Penetrationstest-Bericht oder einem Sicherheitsaudit, aber vollständig automatisiert, nach festen Prüfregeln und maschinenlesbar.
Eine Konformitätsbewertung nach Art. 43 EU AI Act (für Hochrisiko-Systeme, teils durch benannte Stellen) kann einen solchen Nachweis als Anlage zur Web-Infrastruktur einbeziehen; ersetzen kann er sie nicht.
Der Unterschied zu einem Pentest: Ein Pentest prüft Angriffsflächen aktiv und manuell. SOVP prüft deterministisch und passiv die Infrastrukturkonfiguration gegen einen definierten Anforderungskatalog. Regeln und Gewichte sind fest; Messwerte externer Prüfungen (etwa die TLS-Bewertung) können zwischen zwei Abrufen schwanken. Ein Scan dokumentiert einen datierten Zustand.
Vendor-Scan
Ein Vendor-Scan ist ein SOVP-basierter Infrastruktur-Nachweis für externe Dienstleister und Drittanbieter. Er wird vom auftraggebenden Unternehmen initiiert, nicht vom Dienstleister selbst.
Relevant für: DORA Art. 28 (Risikobewertung von IKT-Drittdienstleistern), NIS2-Lieferkettenpflichten, EU AI Act Anforderungen an Anbieter eingebetteter Systeme.
Hinweis zur Einwilligung: Eine technische Infrastrukturprüfung einer öffentlich erreichbaren Domain erfordert keine Zustimmung des Domaininhabers, da nur öffentlich sichtbare Konfigurationsparameter ausgewertet werden. Rechtliche Verantwortung liegt beim Auftraggeber des Scans.
Vendor-Scan anfragen →
Full Scan Basic vs. Pro
Beide Tiers führen denselben vollständigen CERTavia-Scan durch (80+ Parameter, 6 Cluster, kryptografisch signiertes PDF-Ergebnis).
Der Unterschied liegt in Gültigkeit, Vault-Laufzeit und Umfang des Reports:
- Basic: Nachweis 90 Tage gültig, Vault-Eintrag läuft nach 90 Tagen ab (danach lokale Archivierung) — geeignet für kurzfristige Nachweise und einmalige Audits.
- Pro: Urteil 365 Tage gültig, Vault-Eintrag dauerhaft abrufbar via Token, zusätzlich DORA-Abschnitt im Report — für Audit-Dossiers (CAD) und Archivierungspflichten.
Tiers und Preise im Vergleich →