Kernaussagen
- • Die Pflichten für Hochrisiko-KI nach Annex III gelten ab dem 2. Dezember 2027, für Annex I ab dem 2. August 2028 (VO (EU) 2026/1744).
- • Die technischen Anforderungen an Robustheit und Cybersicherheit stehen in Art. 15, nicht in Art. 50. Art. 50 regelt Transparenz gegenüber Personen und gilt seit dem 2. August 2026 unabhängig von der Risikoklasse.
- • Die Konformitätsbewertung (Art. 43) stützt sich auf die technische Dokumentation nach Art. 11 und Annex IV.
- • Ein externer Scan wie CERTavia deckt nur die öffentlich sichtbare Infrastruktur ab (TLS, DNSSEC, Header, E-Mail-Authentifizierung) und ersetzt keine Konformitätsbewertung.
Schritt 1: Bin ich betroffen? — Annex III Prüfung
Ein KI-System ist nach Art. 6 EU AI Act hochriskant, wenn es entweder als Sicherheitskomponente eines Produkts unter die in Annex I genannten Harmonisierungsvorschriften fällt (z. B. Medizinprodukte, Maschinen) oder in einem der Bereiche aus Annex III eingesetzt wird. Die Pflichten dieser Checkliste treffen in erster Linie den Anbieter des Systems; Betreiber haben eigene Pflichten nach Art. 26.
Typische Annex III-Kategorien:
- Biometrische Systeme (Identifizierung, Kategorisierung, Emotionserkennung)
- KI in kritischer Infrastruktur (Energie, Wasser, Verkehr)
- KI im Bildungsbereich (Bewertung, Zulassung)
- KI in der Beschäftigung und Arbeitsvermittlung (Screening, Beurteilung)
- KI für wesentliche private und öffentliche Dienstleistungen (Kredit, Versicherung)
- KI in Strafverfolgung und Migrationskontrolle
- KI in der Rechtspflege
Unsicher, ob Sie betroffen sind? Der CERTavia Schnelltest hilft bei der Einschätzung.
Schritt 2: Checkliste Art. 9 — Risikomanagementsystem
Art. 9 verlangt ein dokumentiertes Risikomanagementsystem über den gesamten Lebenszyklus des KI-Systems.
Schritt 3: Checkliste Art. 15 — Genauigkeit, Robustheit, Cybersicherheit
Art. 15 verlangt, dass Hochrisiko-KI-Systeme ein angemessenes Maß an Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit erreichen. Die Verordnung nennt keine einzelnen Protokolle; die folgenden Prüfpunkte sind gängige technische Maßnahmen für die Infrastruktur, auf der das System betrieben wird:
Cybersicherheit der Infrastruktur
Robustheit und Verfügbarkeit
Der CERTavia-Scan prüft die von außen sichtbaren Punkte dieser Liste für eine öffentliche Domain: TLS-Konfiguration, DNSSEC, HTTP-Sicherheits-Header sowie SPF, DKIM und DMARC (Cluster A). Cipher-Details interner Endpunkte, Failover und Back-ups sind von außen nicht prüfbar. Wie stark Messwerte externer Prüfungen schwanken können, zeigt unsere eigene Domain: certavia.org erreichte in 38 Scans zwischen 06.08. und 12.10.2026 in Cluster A mal 95, mal 100 Punkte. Ein Scan dokumentiert einen datierten Zustand.
Abgrenzung: Art. 50 (Transparenz)
Art. 50 ist keine Hochrisiko-Pflicht, sondern gilt seit dem 2. August 2026 für bestimmte KI-Systeme unabhängig von ihrer Risikoklasse: etwa der Hinweis, dass Nutzer mit einem KI-System interagieren, oder die Kennzeichnung synthetischer Inhalte. Welche Pflicht in welchem Absatz steht und wen sie trifft, ist im Glossar zugeordnet. TLS, DNSSEC oder Header verlangt Art. 50 nicht.
Schritt 4: Checkliste Art. 17 — Qualitätsmanagementsystem
Schritt 5: Checkliste Art. 43 — Conformity Assessment Dossier
Das Conformity Assessment Dossier (CAD) ist kein Begriff der Verordnung, sondern unsere Bezeichnung für die Unterlagen, auf die sich die Konformitätsbewertung nach Art. 43 stützt: vor allem die technische Dokumentation nach Art. 11 und Annex IV. Sie muss Marktaufsichtsbehörden auf Anfrage vorgelegt werden können.
Zeitplan: Was gilt ab wann?
Der EU AI Act (VO (EU) 2024/1689) ist am 1. August 2024 in Kraft getreten. Verbotene Praktiken (Art. 5) und KI-Kompetenz (Art. 4) gelten seit dem 2. Februar 2025, die Pflichten für GPAI-Modelle seit August 2025, die Transparenzpflichten aus Art. 50 seit dem 2. August 2026. Die Übergangsfrist für Hochrisiko-KI nach Annex III wurde per Verordnung (EU) 2026/1744 („Digital Omnibus on AI“, verkündet am 24. Juli 2026, in Kraft seit dem 27. Juli 2026) auf den 2. Dezember 2027 verschoben (Annex I auf den 2. August 2028). Für generative KI-Systeme, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, endet die Übergangsfrist für Art. 50 Abs. 2 am 2. Dezember 2026 (nur Anbieter). Ab dem jeweiligen Datum müssen Systeme nachweislich compliant sein, bevor sie auf dem EU-Markt eingesetzt oder in Betrieb genommen werden.
Für Hochrisiko-Systeme nach Annex III bleibt damit Zeit bis Dezember 2027. Die Konformitätsbewertung muss aber vor dem Inverkehrbringen abgeschlossen sein; technische Nachweise sollten deshalb ein Datum tragen, das vor diesem Zeitpunkt liegt. Stand dieser Übersicht: 17. Oktober 2026; die kanonische Zeitleiste steht auf EU AI Act.
Nächste Schritte
Die Punkte aus Art. 9, 11, 17 und 43 sind Organisations- und Dokumentationsarbeit, die kein Scan abnimmt. Automatisiert prüfbar ist der externe Teil von Art. 15: In unserem Benchmark erreichte keine der 567 Messungen in zehn Branchenlisten die CERTIFIED-Schwelle (Juni-Messungen, siehe Korrekturhinweis). Am häufigsten scheitert es an Cluster F: Er liegt in allen zehn Listen im Median bei 0.
Der kostenlose CERTavia-Scan zeigt für Ihre Domain die Werte aller sechs Cluster. Er ist ein technischer Befund, keine Rechtsberatung und keine Konformitätsbewertung.